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Andachten

Vom Führen und Geführtwerden

Markus 8, 22-25

Und sie kamen nach Betsaida. Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn, dass er ihn anrühre.

Der Blinde wird gebracht – zu Jesus. Er wird geführt. Er ist nicht allein. Andere zeigen ihm den Weg. Womöglich weiß er nicht, wo es mit ihm hingeht. Er hat entschieden, sich auf die zu verlassen, die ihn führen. Er vertraut und hofft. Er ist Geführter.
Sein Leben lang kennt er nichts anderes als angewiesen zu sein auf andere. Er braucht sie, die anderen, die Freunde, die die Erbarmen mit ihm haben und ein Stück ihres Weges mit ihm teilen. Ihre Hilfe lässt ihn den Mangel an Sehvermögen ertragen. Ihre Hilfe lindert seine Not. Und doch: Er weiß nie genau, wohin er geführt wird.

Bin auch ich der Blinde, der geführt werden muss, jener, der der Hilfe bedarf? Kann ich überhaupt der Blinde sein? Jener, der sein ganzes Vertrauen auf den Führenden setzt?

Er lässt sich bringen. Er ist bereit einen weiteren Versuch zu starten, um heil zu werden. Ein weiterer Versuch, das Augenlicht wieder zu bekommen. Endlich sehen können, was die anderen, die Freunde ihm erzählen. Wird ihm diesmal geholfen werden?
Von Jesus hatte er schon gehört. Wird er seine Not lindern können? Gespannt lässt sich der Blinde führen. Jesus – ein neues Ziel auf seinem Weg. Ein neuer
Versuch. Ein neuer Keim von Hoffnung in seinem Herzen.

Bin auch ich einer von denen, die helfen, Not zu lindern. Einer von denen, die den Blinden zu Jesus bringen, ihn führen. Gebe ich anderen die Möglichkeit, ein Stück des Weges mit mir zu gehen?

Und Jesus nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, tat Speichel auf seine Augen, legte seine Hände auf ihn und fragte ihn: Siehst du etwas? Und er sah auf und sprach: Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen. Danach legte er abermals die Hände auf seine Augen. Da sah er deutlich und wurde wieder zurechtgebracht, so dass er alles scharf sehen konnte.

Für den Blinden von Betsaida war die Stunde seiner Heilung gekommen. Andere bringen ihn zu Jesus. Er lässt sich führen. Jesus befreite ihn von allem, was ihm den Blick versperrte. Er schenkte ihm das, was ganz selbstverständlich zu ihm gehört: Sehen zu können.

Bin auch ich der Blinde, der geführt werden muss, jener, der der Hilfe bedarf oder bin ich einer von denen, die helfen und zu Jesus hinführen?

Ich bin wohl beides: Geführter und Führender. Ich habe es nötig mich führen zu lassen, um sehend zu werden. Als zu Jesus Geführter und von Jesus Berührter kann ich andere führen. Nur wenn ich selbst bereit bin, mich führen zu lassen, bereit bin, blind zu vertrauen, kann ich anderen Wegweiser sein.


Eine gesegnete Zeit des Sommers wünscht
Frank Trommler

„Gehörsam“

Gehorsam? - „Der kleine Wille muss beizeiten gebrochen werden. Kinder müssen absoluten Gehorsam lernen.“ Das war lange Zeit weit verbreitetes Erziehungsideal. Es hat viel Unheil angerichtet. Zu oft auch musste der Gehorsam herhalten zur Disziplinierung in der Gesellschaft. Am schlimmsten im "Dritten Reich": Das "Führerprinzip" galt als Grundgesetz nationalsozialistischer Weltanschauung. Es verpflichtete nach dem Motto "Führer befiehl, wir folgen" zu blindem Gehorsam und bedingungsloser Treue bis zum Tod. Millionen Menschen hat es ins Verderben gestürzt. Im Westen Deutschlands folgte später ein Emanzipationsprozess auf der ganzen Linie mit der Abschaffung des "Gehorchens". Aber irgendwie hat man damit  das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Im Osten dagegen versuchte die nächste Diktatur, bereits im Kindergarten und in der Schule Menschen auf Gehorsam zu trimmen. Für mich, einem in der DDR Aufgewachsenen, ist "Gehorsam" immer ein Reizwort geblieben.

Jesus Christus spricht:
Wenn ich erhöht bin von der Erde,
will ich alle zu mir ziehen.
Joh 12,32


Die Menschen waren beunruhigt. War es ein Zeichen? Keiner von ihnen wusste genau, was geschehen war. Nur Fragen waren entstanden. War es ein Donnern? Oder hat ein Engel mit ihm geredet? Oder war es doch nur eine Illusion? Jesus wandte sich ihnen zu. Ohne ihre Fragen zu beantworten, sagte er zu ihnen:

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