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Andachten

Suche Frieden und jage ihm nach! (Ps 34,15)

Erst seit den 1930er Jahren gibt es Jahreslosungen. Otto Riethmüller, Pfarrer, Liederdichter und Mitglied der Bekennenden Kirche, wollte den NS-Parolen einen Bibelvers entgegenstellen und erfand die Tradition der Jahreslosungen. Seitdem wird die Jahreslosung von einem Gremium gewählt, mit dem gleichen Ziel: Gottes Wort in unsere Zeit hinein zu sprechen. Und dies geschieht 2019 mit dem Aufruf: »Suche Frieden und jage ihm nach!«

Hierfür braucht es den Mut des Einzelnen. Bei mir fängt es an. Es braucht ein Wissen darum, dass ich mit dem, was ich sage, Menschen ermutigen und Gutes verrichten kann. Ebenso bin ich in der Lage, durch meine Worte andere zu verletzen und Schaden anzurichten. Gleiches gilt für das, was ich tue. Jeder Mensch ist dazu geschaffen, Frucht zu bringen und Heil zu stiften. Jedem Menschen wohnt aber auch das Verhängnis inne, Böses zu tun, bewusst oder unbewusst.

Sind wir 2019 noch davon überzeugt, dass wir einen Einfluss auf das Geschehen in dieser Welt haben? Dass das Große im Kleinen beginnt? Oder sind wir schon so resigniert, dass wir uns einreden, unser Reden und Tun, unser Hoffen und Beten ha-be keinen Einfluss auf das große Ganze dieser Welt?

Für alle Nicht-Resignierten gibt es die Losung »Suche Frieden und jage ihm nach!« Denn dieses Bibelwort ist kein Slogan oder Werbebanner für eine irgendwann gerechtere und bessere Welt, sondern setzt aktive Teilnahme am Wagnis Frieden heute und hier voraus. Denn der Weg zum Frieden ist umkämpft. Aber der Weg zum Frieden wird nicht von Menschen allein beschritten. Jesus Christus ist der Weg und das Ziel zum Frieden. So können wir die Jahreslosung auch folgendermaßen hören: Suche Christus und jage ihm nach!

In der Orientierung an Jesus Christus selbst und beschenkt mit seinen Gedanken, wie ich sie in der Bibel finde, erkenne ich: Frieden braucht Kommunikation. Es braucht das Bemühen, einander verstehen zu wollen und selbst bei unter-schiedlichen Meinungen und Vorstellungen einander zu schätzen. Das gilt auch 30 Jahre nach der »Friedlichen Wende« und 80 Jahre nach dem Beginn des zweiten Weltkrieges.
Gott segne unser Bemühungen zum Frieden, unsere Worte und Taten. Er segne jeden einzelnen Schritt auf dem Weg des Jahres 2019.


Frank Trommler, Pfarrer

Es begeistert mich, wenn ich an unbewölkten Abenden den Nachthimmel betrachte. Der Kontrast der hell leuchtenden Sterne auf dem schwarzen Hintergrund des Weltraums. Das Gefühl endloser Weite umfängt mich und lässt mich als Betrachter so winzig und unbedeutend erscheinen. Unter diesem Anblick kann ich nachfühlen, wie es Abraham ging, als er den Sternhimmel anschaute und Gott ihm sagte: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Unfassbar.

Meine Augen hängen an den Himmelsleuchten. Sie verknüpfen die einzelnen Sterne und suchen nach Bildern, Sternenbildern: Der große und kleine Wagen, die Cassiopeia (Himmels-W), das Siebengestirn, auch Plejaden genannt, der Orion und der Schwan. Doch den Stern, der mir am nächsten ist, den sehe ich am Nachthimmel gar nicht: Die Sonne ist 147 Millionen  Kilometer von der Erde entfernt und doch ihr nächster Stern. Das Licht braucht 8 Minuten, um von dort bis zu mir zu kommen. Unvorstellbar! Und diese Sterne, die ich am Himmel sehe? Der nächste von ihnen ist über 4 Jahre von mir entfernt (gemessen mit Lichtgeschwindigkeit: 300.000 km/s) und jeder von ihnen ist eine Sonne mit Sonnensystem und Planeten. Ich kann es nicht fassen. Es übersteigt meinen Verstand und doch stehe ich mittendrin, bin Teil dieser Welt.


Gott hat mich zum Betrachter seiner Schöpfung geschaffen, um staunend und anbetend auch unter dem Anblick der Sterne im Geiste auf die Knie zu gehen und den Namen Gottes zu erheben. Er ist der Herr über die Weiten, die Höhen und die Tiefen. Er ist der Herr über das, was ich nicht zu fassen vermag. Mit welcher Schönheit umfängt Gott meine Nacht, um mich auch im Dunkel meines Lebens, seiner Gegenwart zu versichern. Dessen waren sich wohl auch die Weisen aus dem Morgenland sicher, die sich auf den weiten Weg machten, um den neugeborenen König anzubeten. Unter dem Eindruck der Sterne, unter der Weisung des einen Sternes wurde ihnen der Weg gewiesen. Von ihnen heißt es: Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut (Mt 2,10). Sie fanden den Weg zum Kind in der Krippe. Zum Heiland der Welt, zum Mann am Kreuz, zum Löwe und Lamm, zu dem, der sitzt zur Rechten Gottes des Vaters für dich und mich, für alle Welt. Er ist der Herr, Jesus Christus. Sie fanden in ihm ihre Freude.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit


wünscht
Frank Trommler, Pfr.

„Statue einer trauernden Frau“.

Mit diesen Worten ist das Bild auf der Titelseite unterschrieben. Eine junge Frau mit gesenktem Blick. Ihr Augen sehen müde aus. Sie stützt den Kopf auf ihre Hand. Sie leidet wortlos. Ihr Blick, ihr gesamtes Wesen verrät den empfundenen Schmerz. Sie hat Abschied nehmen müssen. Von ihrem Mann? Von ihrer Mutter oder ihrem Vater? Oder gar von ihrem Kind? Wir wissen es nicht.

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