Gemeindebrief Februar / März 2023

Sehen und gesehen werden -darum dreht sich schon im Alltag alles. Unser Auftreten, die Frisur, das Styling, das Auto, die sozialen Medien. Klar, jeder soll doch sehen, wer ich bin und was ich kann, was ich vermag oder mir leisten kann! So ist das, wenn alles gut läuft.

Dann gibt es aber auch Lebensabschnitte,  -bereiche, die soll lieber keiner sehen. Dort, wo etwas schief läuft, peinlich ist oder nicht in das allgemeine Bild von Erfolg, gutem Ansehen passt, der frommen „heilen Welt“. Selbst Glaube, habe ich den Eindruck, muss doch sichtbar, vorzeigbar oder erfolgreich sein?
Umstände, die uns so sehr bedrängen, dass sie uns zum Davonlaufen drängen? Geht das? Darf das sein?

In der Geschichte von Hagar, die ja untrennbar zur Jahreslosung gehört, ist grad alles zum Davonlaufen.
Nachzulesen im 1. Buch Mose Kapitel 16. Es ist und geht Hagar so schlecht, dass sie tatsächlich davonläuft – weg, einfach nur weg!

Schwanger ist sie von Abraham, als Sklavin kaum freiwillig, gemobbt von Sarah, ihrer Herrin, die sie vorher ja erst als Leihmutter zu Abraham geschickt hat. Freilich ist sie in ihrem Stolz über Sarah über die ihr geschenkte und Sarah bisher nicht mögliche Schwangerschaft auch schuld an der ganzen Situation, die nun eskaliert.

Solche sehr menschlichen Katastrophengeschichten sind wohl jedem schon mal begegnet. Vielleicht steckst du auch grad in einer drin? Zusammenhänge, die dich an Grenzen führen, Grenzen der Kraft, der Erwartungen, Grenzen des Miteinanders mit oder ohne erkennbare Schuld – eben einfach zum Davonlaufen!

Für mich ist die Geschichte der Hagar einerseits chaotisch und dramatisch, aber andererseits sehr realistisch und tröstlich. Mittendrin in dieser Geschichte, die zumindest von Sarah und Abraham her Gott übersieht, sieht Gott, was geschieht. Gott sieht Hagar in ihrer Not und schickt ihr einen Engel in die Wüste, wohin sie geflohen ist. Gott spricht so mit ihr, hört ihr zu und das tut ihr gut.
So kann sie am Ende sagen: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“

Und noch eine erstaunliche Wendung nimmt die Geschichte für mich: Gott schickt Hagar sogar zurück, dahin, woher sie doch gerade geflohen ist. Ich musste hier auch denken: Wie oft ist es so, dass wir eben nicht so einfach entfliehen können, oder selbst wenn wir es tun würden, sich davon ja die Gegebenheiten nicht sofort ändern würden?

Wie gut ist es zu wissen, dass Gott mich sieht – ganz gleich wie es mir geht! Und dass ich zu ihm kommen kann, er zuhört und mich sicher versteht. Egal, ob Stolz, Schuld oder einfach nur Verzagen mich an die Grenzen geführt haben. Ich wünsche uns nicht nur in diesem neuen Jahr, aber dass wir gerade in den Lebenskrisen Gottes Nähe erfahren dürfen, auf ihn aufsehen dürfen, der uns sieht, weil er uns geschaffen hat, kennt und liebt. Und weil er uns seine Nähe, Hoffnung und Kraft zuspricht, an noch vielen anderen Stellen in seinem Wort:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“ Das ist nur ein Zuspruch von Jesus, der mir da gleich dazu in die Gedanken gekommen ist.

Mitte Februar beginnt ja die Passionszeit. Es ist traditionell eine Zeit der Besinnung des Weges von Jesus ans Kreuz! Einem Weg, dem sich Jesus ebenso nicht entzogen hat, einem Weg, auf dem Gott, der Vater, Jesus, seinen Sohn, gesehen, ihn immer wieder gestärkt und durchgetragen hat. Am Ende steht die Vergebung der Schuld und das neue Leben. Auch das, weil Gott dich und mich sieht!
Und damit wir aus diesem Weg und Sieg von Jesus über die Grenzen dieser Welt in unserem Alltag leben dürfen. Vielleicht nimmst du dir ja in den Passionswochen einmal die Zeit, besonders die Bibelworte zu suchen, die dir Gottes Zuspruch verdeutlichen. Ich wünsche dir viel Gewinn auf dieser Suche, nach dem Gott, der dich sieht!

Mit den besten Grüßen

Ihr/ euer Pfr. Frank Dregennus

 

 

Jahreslosung 2024

 
 

Monatsspruch März 2024

Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den
Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.

Mk 16,6 (L)

Tageslosung vom 03.03.2024
3. SONNTAG DER PASSIONSZEIT - OKULI (Meine Augen sehen stets auf den HERRN. Psalm 25,15)
Wer seine Missetat leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.
Zachäus sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren.
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